Holzkirchen in der Slowakei
Die Holzkirchen zählen zu den beachtenswerten Erscheinungen des architektonischen Schaffens in der Slowakei. Deren Vorkommen hängt mit der geographischen Lage und der Umwelt zusammen, was gleichzeiting ein Treffpunkt zweier großer Weltkulturen war - der westlichen (römischen) und östlichen (bizantinischen). Deren Einfluß war dermaßen stark, daß sie auch die ethnischen Einflüsse der Völker, die ihr Zuhause hier fanden, überwunden. Die hiesige Olzarchitektur wurde auch von den architektonischen Elementen verschiedener Kunstile, vor allem der Gotig, geprägt.
Der Holzkirchenbau wurde in nicht geringem Maße auch durch die klimatischen Bedingungen beeinflußt. Das oft rauhe Klima veranlaßte, daß die Dachform und Dachgröße so gebaut wurde, daß sie die gewaltige Schneedecke, die oft durch den ganzen Winter dauerte, aushielt. Die volkstümlichen Baumeister sicherten sich gegen die Kälte durch ein Schindeldach oder Holzbretter. Aus diesem Grunde wurden auf den Kirchen auch kleine Fenster gebaut.
Das Bauholz wurde für die Wohnbauten sowie Kirchen seit frühester Zeit nicht nur bei uns, sondern in aller Welt verwendet. Die älteste schriftliche Angabe über Holzarchitektur stammt aus dem Jahre 1075. Es ist die Lokalität Kòažice in der Südslowakei, wo im 11. Jahrhundert eine Holzkapelle der Jungfrau Maria gebaut wurde. Seit dem 14. und besonders dem 15. Jahrhundert gibt es bereits zahlreiche Holzkirchen oder Kapellen auf dem gesamten Gebiet der Slowakei.
Trotz der Formvielfalt deer Holzkirchen kann von drei grundlegenden Bautypen gesprochen werden.
Der älteste Bautyp hängt noch mit dem mittelalterlichen gotischen Stil zusammen. Auf den Holzkirchen sind deutlich einzelne gotische Elemente oder sogar Kopien gotischer Steinkirchen zu erkennen. Es sind überwiegend katholische Kirchen, wo das Heiligtum östlich orientiert ist (Hervartov, Zábrež).
Ein jüngerer Bautyp sind die zentralen Kirchen, deren Grundriß ungefähr die Gestalt eines griechischen Kreuzes hat. Es sind evangelische Gotteshäuser eines Predigertyps. Der Gliederung und Form nach knüpfen sie an die schlesischen, nordischen, protestantischen Gotteshäuser. Mehrere darunter überraschen durch ihre Größe. Sie sind durch den Blockcharakter und einfache Kunstäußerung charakteristisch. Sie wurden regelmäßig ohne Turm gebaut (Kežmarok, Istebné, Leštiny, Hronsek); Die gegenwärtigen Türme wurden später dazugebaut.
Die dritte und auch zahlreichste Gruppe bilden Kirchen östlicher Riten. Sie sind in der Ostslowakei konzettriert. Ursprünglich waren sie fast ausschließlich griechisch-katholische Kirchen, später wurden einige orthodox. Mehrere von ihnen halten Holzwölbungen die dann mit zwiebelförmigen Dächern überdacht wurden von der lateinischen Kultur geprägt, sie stellen einen Übergang und Mischung östlicher und westlicher Einflüsse dar.
Eine besondere Baugruppe bilden die Holzglockenhäuser, die meistens das Kirchenareal ergänzten.Sie erfüllten eine spezifische Signalisationsfunktion, die in der Vergangenheit auch mit der Wachfunktion verbunden war.
Beim Bau von Holzkirchen und Glockenhäusern wurde vor allem Lärche oder Tanne verwendet. Ausnahmsweise findet man auch die seltene Eibe. Nur eine einzige Holzkirche ist aus Eibe gebaut (Hervartov), sonst wird Eibe nur bei den einzelnen Details(Säulen, Kapiteln) angewant. Bei den Glockenhäusern wurde Eiche oder Buche verwendet. Die Mehrheit der Objekte wurde mit der Traditionellen Blockbautechnik mit sinnreich gelöstem Balkenanker gebaut. Die Säulenkonstruktion wurde bei den großen Glockenhäusern verwendet.
In mehreren Holzkirchen befindet sich eine beachtenswerte künstlerische Dekoration. Reste mittelalterlicher, nach einer Schablone gemalter Wandmalereien sind selten (Hervatov, Zábrež). Für das 17. Jahrhundert ist die Anwendung von Pflanzenmotiven, die öfters aus einer älteren Ornamentik folgten, charakteristisch. Figurale Motive, besonders das Apostelmalen wird oft als ein Bild zum Aufhängen (Zábrež, Tvrdošín) verfertigt. Große und interessante figurale Bilder befinden sich in der Kirche in Hervatov. Sie entstanden in den Jahren 1650-1665 und sind im Renaissance- und Barockstil gemalt. Im 18. Jahrhundert waren es illusorische Malereien, die durch Nachahmen der Marmorwände, mit bemalten Pilastern oder Lisenen erzielt wurden (Leštiny).
In der Kirchengruppe östlichen Ritus sind an den Wänden und hölzerne Dachwölbungen geistliche Würdenträger oder Heilige in repräsentativen östlichen Gewändern verewigt. Großartige Bilder mit vielen Gestalten stellen z. B. Szenen der Kreuzigung oder das von den einfachen Volkskünstlern individuell aufgefaßte Jüngste Gericht (Kožany) dar. Kleinere Szenen wurden von den Volkskünstlern in den Rocaillekartuschen dargestellt. Diese Bilder, jedes in seinem eigenen Rahmen eingerahmt, bedeckten oft die sämtlichen Wände. Der Maler faßte seine Bilder einfach und verständlich auf, was im Ausgleich zu den repräsentativen und erhabenen Ikonostasen stand, wo die einzelnen Gestalten and Szenen nach ikonographischen Forderungen geschaffen wurden. Die Ikonostasen, diese trennenden Bilderwände zwischen dem Heiligtum und dem Schiff, stellen Bildergalerien mit einem festgelegten Platz einzelner Szenen oder Gestalten dar.
Mehrere Holzkirchen, vor allem aus der Ostslowakei, wurden auseinandergenommen und in den Freilichtmuseen für Volksarchitektur wieder zusammengestellt, wo sie zu den inressantesten Stücken einzelner Museen und deren Exponaten zählen (Kurort Bardejov, Martin, Svidník, Stará ¼ubovòa, Košice). Diese Museen werden alljährlich von Tausenden Besuchern aufgesucht. Kommen Sie auch und überzeugen Sie sich über die Schönheit dieser Bauten in den Freilichtmuseen oder direkt am Ort, wo sie entstanden sind. Die Holzkirchen und Glockenhäuser werden mit ihrem lieblichen Interieur für eine archaische Kunstäußerung des nationalen Schaffens überwiegend unbekannter Volksarchitekten und Maler angesehen.
Hervatov Svätý kríž Hronsek Hranièné Tatranská Javorina TvrdošínTroèany Jedlinka Die Galerie Istebné Was bedeutet mir meine Heimat